Der schlummernde Riese Energiequelle Wind: Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft

Der schlummernde Riese - Energiequelle Wind Potenzial ist noch laengst nicht ausgeschoepft

Wind weht immer – weltweit. Und Wind enthält enorme Mengen an Energie. Daher ist er eine der ergiebigsten Quellen zur Gewinnung sauberen Stroms. In 79 Staaten rings um den Globus produzierten 2012 schon über 225.000 Windkraftanlagen Milliarden Megawattstunden Elektrizität (www.gwec.net/global-figures/wind-in-numbers).

So weit verbreitet diese umweltschonende, im Betrieb CO2-neutrale Technologie mittlerweile auch ist – Wind bietet noch weitaus größere Potenziale zur energetischen Versorgung. Man muss dabei gar nicht an die hochfliegenden Pläne denken, irgendwann einmal Windkraftanlagen an Ballonen auf 10 bis 15 Kilometer Höhe in die energiereichen Höhenwinde aufsteigen zu lassen, um dort riesige Mengen an Elektrizität zu gewinnen. Bereits heute macht effektivere Technik eine weit größere Stromausbeute möglich als in den Anfangsjahren, und in zahlreichen Ländern ohne Windkraftanlagen bestehen vielversprechende, leicht zu erschließende Potenziale.

Effizientere Technik

Leistungsfähigere Generatoren, höhere Türme und längere Rotoren ermöglichen einen besseren Stromertrag. Die Stärke des Windes nimmt mit der Höhe deutlich zu – wird also ein leistungsfähigerer Generator in größerer Höhe mit längeren Rotoren dem Wind ausgesetzt, steigt die gewonnene Strommenge beträchtlich. Moderne Anlagen sind daher viel produktiver als ältere. Zusätzlich können an bereits erschlossenen Standorten Anlagen im Rahmen des Repowerings leistungsfähiger gemacht werden.

Ein weiterer Vorteil der Windenergienutzung: Die nötige Technik ist ausgereift. Der weltweite Branchen-Dachverband Global Wind Energy Council (GWEC) rechnet daher mit enormen Zuwachsraten bei neuen Windkraftanlagen.

Dynamische Zuwächse

Windenergie ist eine große Erfolgsgeschichte. Waren 1996 erst 1,2 Gigawatt Leistung installiert, wuchs die Kapazität binnen zwölf Jahren auf 282,6 Gigawatt. Bei jährlichen Ausbauraten von knapp 14 Prozent erwarten die Experten 536,1 Gigawatt Leistung für 2017 (www.gwec.net). Auch eine 2011 durchgeführte weltweite Erhebung der Roland Berger Unternehmensberatung bestätigte die Wachstumserwartungen für den Zeitraum von 2015 bis 2020. In den USA werde die Produktionskapazität für Windenergie pro Jahr um 9 Gigawatt wachsen, in Indien um 3, in Großbritannien um 2,3, in Italien um 2,1 und in Deutschland um 1,6 Gigawatt (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/208584/umfrage/prognose-zum-jaehrlichen-zuwachs-windkraftanlagen-weltweit).

Inzwischen hat dieses Zukunftsbild neue Konturen gewonnen, denn es kommen verstärkt andere Regionen in den Blick: „Windenergie wird sich geografisch diversifizieren“, erklärt das GWEC in ihrer Marktvorschau für den Zeitraum 2013–2017. „Signifikante neue Aktivitäten wird es in Lateinamerika, Afrika und in Asien außerhalb Chinas geben.“ Lag die Produktionskapazität 2012 bei 97,6 Gigawatt, wird für Asien bis 2017 ein Zuwachs auf 209 Gigawatt erwartet. Damit würde es die produktionsstärkste Region der Welt werden (http://www.gwec.net/cumulative-market-forecast-by-region-2012-2017/).

Politik und Energiewende

Das GWEC hebt zu Recht einen wesentlichen Aspekt hervor: „Weiterhin wird die globale Entwicklung vom Auf und Ab der Hauptmärkte geprägt werden. Doch nationale politische Entscheidungen und Entwicklungen beeinflussen die Märkte am stärksten.“

Das könnte sich für die Windenergie unter dem Strich positiv auswirken: In insgesamt 118 Nationen existieren definierte Ziele hinsichtlich der Einführung sauberer Energie-Technologien (Institute for Advanced Sustainability Studies/IASS Potsdam, Plattform Energiewende, Newsletter Oktober 2012). Je mehr sauberer Strom produziert wird, desto besser steht es auch um den Klimaschutz. Denn vor allem in den Schwellenländern Asiens wird für die kommenden Jahre aufgrund des erwarteten starken Wirtschaftswachstums eine drastisch zunehmende Energienachfrage erwartet.

Mehr Angebot als Bedarf

Windreiche Regionen gibt es auf allen Kontinenten – der Aufbau der entsprechenden Energiegewinnung ist oftmals nur eine Frage der Finanzierung. Sind nationale Unternehmen oder die Regierungen ökonomisch unflexibel, kann auf internationale, private Investments zurückgegriffen werden. Dank der Förderpolitik in vielen Ländern sind die Renditen vielfach sicher planbar. Und der Finanzmarkt reagiert entsprechend mit nachhaltigen Fonds wie zum Beispiel mit dem ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund, der ausschließlich saubere Technologien finanziert.

Insgesamt kommt Shruti Shukla, Senior Policy Advisor des Global Wind Energy Councils, zu einer optimistischen Gesamteinschätzung: „Zum Ende des Jahrzehnts werden wir 750 Gigawatt Windkraftkapazität haben. Das reduziert die CO2-Emissionen um bis zu 1,1 Milliarden Tonnen.“ (The New Economy, Juli 2013 / www.gwec.net).